Schreibexperimente

Schreibexperimente

Jedes neue Schreibprojekt ist für mich ein Experiment. So wie auch Literatur keine Konstante ist, sondern ständig in Bewegung. Schriftsteller vor hundert Jahren haben völlig anders geschrieben als wir heute. Und auch wir sammeln mit jedem neuen Buch Erfahrung, die ins nächste Projekt fließt, in dem wir sofort wieder Neues ausprobieren.

Ich mag dieses Forschen nach Neuem, das Einlassen auf neue Genres, Erzählperspektiven, das Spielen mit Tropes, um ihnen ein neues Gewand verleihen. Daher sehe ich es auch als Herausforderung, jedem Buch etwas Eigenständiges zu verpassen, in dem meine Leser:innen trotzdem noch meinen Stil wiedererkennen. 

Das Zitat stammt aus meiner Beschäftigung mit Poetry-Slams, die ich als Stilmittel  für meine rebellischen Dunkelelben in Elbendunkel, einer Fantasy-Dystopie, gewählt habe. Politische Songlyrik kommt darin ebenfalls vor.

Für meinen Erwachsenenroman „Das Lied der Wölfe“ habe ich mich mit Soldatenjargon auseinandergesetzt. Ich werfe einen Ex-Elitsoldaten als Helden auf, um ihn anschließend  Stück für Stück wieder zu demontieren, und zu zeigen, dass er nicht der Held war, für den ihn alle gehalten haben, dass er voll von Angst und komplizierter Vergangenheit ist, und dass sein "Heldentum" Auswirkungen auf andere hatte, die ihm überhaupt nicht bewusst waren. Und das als Nebenerzähltstrang in einer Romance! Why not?

Ich wechsle zwischen Ich-Erzähler und 3. Person, mal Gegenwart, mal Vergangenheit. In meinem aktuellen Erwachsenenroman taste ich mich nun an eine neue Herausforderung heran: Historisch Schreiben. Leute, ich recherchiere mich gerade zu Tode. Aber es ist unglaublich, was ich dadurch für mein Projekt, für mein eigenes Leben zu Tage fördere und worüber ich wahrscheinlich noch sehr lange nach VÖ des Buches nachdenken werde.

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Alleinstellungsmerkmale und das lebendige Chaos in uns

Alleinstellungsmerkmale und das lebendige Chaos in uns

Was macht meine Schreibweise besonders? 

Alleinstellungsmerkmal ist das Thema heute am Autorensonntag auf Instagram und das bringt mich ganz schön ins Schwitzen. Zum einen, weil die Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Zum anderen, weil ihr der Nimbus „Ich bin einzigartig“ anhaftet.

Von „Ich bin eine Frau, die schreibt“ bis hin zu „Man muss mich gelesen haben“ kursieren die wildesten Aussagen von Autor:innen über ihr Schreiben in der Buchwelt. 

Norman Mailer soll behauptet haben:

"Jeder, der eine eigene Bibliothek hat und eine gute Sammlung von Büchern, will als Schriftsteller in die Geschichte eingehen. Es ist jedem Schriftsteller gemein, dass er glaubt, er sei einzigartig, dass er es geschafft' habe."

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Schönheit und Body Shaming

Bodyshaming

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen zum Thema Body Shaming stellt sich für uns AutorInnen die Frage, wie wir mit der Darstellung von körperlicher Schönheit bei der Figurentwicklung umgehen.
Müssen wir uns überhaupt Gedanken darum machen? Wollen unsere LeserInnen nicht wie in den alten Märchen und Legenden unerreichbar schöne Menschen vorgesetzt bekommen, um dem Alltag zu entfliehen? Lassen sich Bücher mit vermeintlich „hässlichen“ Helden überhaupt verkaufen?
Einfach lassen sich diese Fragen sicher nicht beantworten. Ich habe mir im Folgenden ausschließlich Gedanken zur Darstellung der äußerlich sichtbaren Merkmale von Figuren insbesondere in Jugendbüchern gemacht, nicht jedoch über deren inneren Charakter. Darauf möchte ich in einem meiner nächsten Blogartikel eingehen.

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Schreibnacht-Gedanken: erlebte Rede

SChreibnachtgedanken1

Jedem von uns ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Rede geläufig. Schon in der Grundschule lernen wir, wie man
„Musst du jetzt schon gehen?“
in
Sie fragte sich, ob er jetzt schon gehen müsse.
umwandelt.
Soweit so gut. Wirklich faszinierend finde ich allerdings das Stilmittel der „erlebten Rede“, bei der man im Extremfall durch das Einfügen eines einzigen Adverbiales oder Adjektivs als Erzähler in seine Figur schlüpft.

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Du musst doch nur fabulieren: Vorurteile gegenüber der Phantastik

Schreibtisch

Es ist immer wieder witzig, welchen Vorurteilen man begegnet, wenn man sich als Autor:in im Bereich der Phantastik bewegt. 
Sätze wie

"Du musst doch nur fabulieren. Autor:innen, die sich beim Erzählen in der Realität bewegen, müssen viel mehr recherchieren."

oder 
"Das ist dann aber keine besonders hochwertige Literatur."

prägen überwiegend das Bild, das viele sich von Phantastikautor:innen machen.

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Teeweisheiten: Entspanntes Schreiben und Kreativität

Teeweisheiten 

„Ein entspannter Geist ist kreativ“, sagt der Yogi-Teemeister.

Tolle Idee, denke ich, also erst einmal entspannen, dann umso kreativer und effizienter schreiben.
Doch was ist eigentlich Entspannung?
„Ein Zustand körperlicher und geistiger Gelöstheit“, klärt mich das DTV-Lexikon auf.
Meine typische Schreibhaltung am Rechner ist leider alles andere als gelöst. Um ehrlich zu sein, lümmle ich ziemlich gebeugt über der Tastatur, habe das rückenschonende Sitzkeilkissen bereits nach einmaliger Anwendung vor Wochen in die Ecke gepfeffert und beschlossen, dass meine Wirbelsäule robust ist, dafür schreit der Schreibarm gerade wieder ziemlich laut „Aua“, weil ich aus alter Gewohnheit auf die Diktiersoftware verzichtet habe. Der Diktierdrache muss schließlich auch mal entspannen.
Geistig hänge ich in einer Szene fest, in der meine Hauptfigur eine wichtige Entscheidung treffen muss, die natürlich im Exposé schon feststeht, ich sollte sie also mal schubsen, dass sie auch in die gewünschte Richtung wandert. Sie ist aber genauso stur wie ich und wehrt sich ziemlich heftig, dummerweise mit stichhaltigen Einwänden. Das bringt mich selbst zum Zweifeln, um nicht zu sagen „Verzweifeln“ und das Exposé …, ach wer hält sich heute schon noch an Exposés?
Also erst einmal ab auf die Couch.

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