Zu jung oder zu alt für bestimmte Genres - gibt es das?

Enlight209

Gestern habe ich einen wunderbaren Artikel von Mary E. Pearson (Link am Ende des Textes), der Autorin der Remnant Chronicles, einer meiner Lieblingsbuchreihen, gelesen.
Sie macht sich darin über Altersdiskriminierung insbesondere von Frauen, die im Bereich Young Adult schreiben, Gedanken.
Im Gespräch mit jüngeren Kolleginnen musste sie feststellen, dass diese sich an das Genre Young Adult nicht heranwagen, weil sie denken, mit über dreißig Jahren "zu alt" zu sein, um darin verlegt zu werden. Mary entgegnete, dass ihr erstes Buch verlegt wurde, als sie 44 Jahre alt war. Mit mittlerweile 62 Jahren und nach der Publikation von mehr als 10 Büchern ist sie immer noch erfolgreich in diesem Genre tätig und hat - zum Glück für ihre Leser - auch nicht vor, damit aufzuhören.

Ganz neu ist das für mich ehrlicherweise nicht. 
Als ich mit über 40 Jahren beschloss, Jugendfantasy zu schreiben, löste das bei einigen Menschen in meinem Bekanntenkreis Reaktionen von Überraschung bis hin zu Bemerkungen wie "warum schreibst du nichts Ernsthaftes" aus. Ob sich das "ernsthaft" nun auf Young Adult oder Fantasy bezog oder die für sie schockierende Kombination aus beidem, kann und will ich nicht beurteilen. Für manche war allein das Widmen der "brotlosen" Kunst des Schreibens per se unverständlich genug.
Aber zurück zum Thema.
Ageism bzw. Altersdiskriminierung bedeutet nicht nur, dass ältere Menschen in ihrem Arbeits- oder gesellschaftlichem Leben benachteiligt werden. Dasselbe gilt für junge Menschen, denen bestimmte Aufgabenbereiche oder hier Genre aufgrund ihrer Jugend nicht zugetraut werden.

Sehen wir uns tatsächlich einer altersbedingten Diskriminierungen bei der Wahl des Genres ausgesetzt?
Pearson vermutet, dass diese zerstörerische Denkweise ein Produkt der jungen Instagram und Youtube Kultur sein könnte. Wenn man bestimmte Ziele nicht bereits als sehr junger Mensch erreicht habe, seien sie für immer verloren. Sie zitiert die Autorin Susan Dennard mit den Worten
"There is no expiration date on success."
und fügt hinzu
"There is no creative clock ticking!"

Warum sollten ausgerechnet im kreativen Bereich Sanduhren in unseren Köpfen ablaufen und uns ab Erreichen eines bestimmten Alters ausbremsen? Wenn ihr schon immer schreiben, malen, musizieren wolltet und euch bislang Studium, Doktorarbeit, Job, Familienplanung oder der Hausbau dazwischenkamen - was solls?! Seht es als Lehrjahre für das, was euch am Herzen liegt und nicht als Ketten, die euch binden. 

Warum sollten nur junge Menschen Young Adult Bücher schreiben können?
Mit der gleichen Logik dürften nur Straftäter sich in die Psychologie eines Killers und Polizisten in die Aufgabenbereiche eines Kommissars hineinversetzen können. Wenige von uns werden bislang ein Raumschiff gesteuert oder gegen Dämonen und Orks gekämpft haben. Warum sollte eine kinderlose junge Autorin nicht einen Roman über eine vierzigjährige Mutter schreiben können, die ihren Sohn bei einem Autounfall verliert?

Wir recherchieren, wir beobachten und geben unserer Fantasie Flügel. 
Lasst euch diese Flügel von niemandem stutzen und vor allem: Demotiviert euch nicht selbst mit der Aussage, dafür sei es jetzt zu spät oder dafür bin ich noch nicht reif genug!
"Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können."
Hinter dem Pseudonym George Eliot, dem dieses Zitat zugeschrieben wird, steckt die Schriftstellerin Mary Ann Evans, die 1859 im Alter von 40 Jahren ihren ersten Roman Adam Bede veröffentlichte, der zum Bestseller wurde.
Thomas Mann schrieb als 25 jähriger junger Mann den epochalen Gesellschaftsroman "Die Buddenbrooks", in dem er den gesellschaftlichen Niedergang einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie über vier Generationen hinweg schildert. Teile seines Romans über den jungen Hochstapler Felix Krull verfasste er dagegen im Alter von 75 Jahren. 
Verrückt? Nein. Kreativität hat ebensowenig eine Alters- oder Geschlechtsbeschränkung wie Erfolg.
Setzt euch an den Tisch und schreibt, was euch wirklich auf dem Herzen liegt und lasst euch nicht etwas anderes einreden! 

Wer von euch ist auch mit den Vorurteilen, ihr wäret zu jung / zu alt für bestimmte Genres konfrontiert worden?
Ich freue mich über jedes Feedback und bitte helft mit, diese Vorurteile aus dem Weg zu räumen und andere zu ermutigen!

Artikel von Mary E. Pearson über das Phänomen Ageism in Young Adult: http://www.marypearson.com/blog/a-few-thoughts-on-ageism-in-ya 

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