Wahre Freunde

Friends

Heute ist der Internationale Tag der Freundschaft.
Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück. 🤗
Wie leicht ist es, mit jemandem befreundet zu sein, solange es allen gut geht, man zusammen lacht und Spaß hat. Doch sind wir auch bereit, dann zu unserer Freundin/unserem Freund zu halten, wenn sie/er zum Außenseiter wird? Wenn nach einem Unfall das bisherige Leben zusammenbricht. Wenn eine schwere Krankheit den Spaß ausbremst oder sie/er gegen Regeln verstoßen hat  – seien das nun rechtliche oder soziale Regeln innerhalb einer Gruppe. Schnell machen sich "Schönwetterfreunde" dann aus dem Staub und geben meist dem Verlassenen die Schuld daran. Ausreden lassen sich so leicht finden und schließlich muss das eigene Gewissen reingewaschen werden. 
Wenn ich daher höre, wie Menschen mit der Anzahl ihrer Freunde angeben, muss ich schmunzeln. 
Freundschaften, die sich auch in der Not bewähren, muss man sich nämlich erarbeiten. Wer keine Lust hat, die Sorgen des anderen anzuhören, kann nicht erwarten, dass er sich selbst später einmal bei ihm ausheulen kann. Wer nie seine Hilfe anbietet, weil es gerade zeitlich ungelegen kommt – wann passt es denn schon jemals zeitlich –  sollte später auch nicht um Hilfe bitten.
Freundschaft bedeutet Schenken. Und damit meine ich keine materiellen Dinge, sondern Aufmerksamkeit, Trost, Lachen.
Freundschaft bedeutet Teilen von Freude aber auch von Leid.
Aber vor allem bedeutet es Vorauszueilen. Nicht darauf zu warten, ob der andere einem etwas Gutes tut, sondern auch einmal selbst den ersten Schritt zu machen – auch auf die Gefahr hin, dass man nichts zurückbekommt. 

Meine Protagonistin Emma war lange Zeit aufgrund ihrer Gaben innerhalb der Raben bewundert worden. Im zweiten Band von Chosen (Das Erwachen) wird sie als Verräterin angefeindet. Das ist für ihre Freundin Faye alles andere als leicht. Emma selbst erkennt: "Es wäre so viel besser für sie, nicht mit mir befreundet zu sein." Doch Faye hält in dieser schweren Zeit eisern zu ihr:

Innerlich rolle ich mich zusammen wie ein Igel, stachlig, unnahbar, und stelle mir vor, dass alles nur ein Spiel ist. So wie die Spiele, die ich mit Mama als Kate gespielt habe, nur eben in der Erwachsenen-Version.
»Wenn du es nicht tust, geh ich!« Faye verlässt mit langen Schritten den Kiesweg und steuert auf die Bäume zu.
Unser Ziel ist eine Steinbank zwischen den Roteichen in der Nähe des Eingangstors. Wenn das Wetter es zulässt – und das ist in Irland nicht häufig der Fall – essen wir mittags nicht in der Kantine, sondern entfliehen der Meute zu unserem »Rabennest«, wie Faye diesen Ort liebevoll nennt.

Grüne Algen und Flechten sprießen auf dem groben Naturstein der Bank, die von kauernden steinernen Raben getragen wird. Früh am Morgen oder abends, wenn die vermoosten Stämme der Roteichen ihren weißen Nebelatem aus den zerfurchten Astlöchern hauchen, sieht das Rabennest geradezu mystisch aus. Nirgendwo in SENSUS CORVI fühle ich mich wohler. Schon gar nicht in meinem Zimmer.
Faye lässt sich neben mir auf die Bank fallen und ich lege den Arm um ihre Schulter
„Ich steh das schon durch, okay? Irgendwann wird es auch dem Letzten zu dumm. Neue Schüler kommen, irgendjemand anderes baut Mist ...«
»Hör auf!« Wenn sie ihre grünen Augen zu schmalen Schlitzen zusammenkneift, sieht sie noch katzenhafter aus. »Du bist nicht lange genug in SENSUS CORVI. So was hab ich hier noch nie erlebt!«
Ich drücke sie kurz und packe dann eins der Sandwiche aus, die wir in der Mensa geholt haben.
»Du isst? Ich könnte Brandon jetzt einen Hurlingschläger über den Schädel ziehen.«
»Könntest du nicht!« Nachdem ich eine Gurkenscheibe hinuntergeschluckt habe, schaue ich sie todernst an. »Du reichst mitsamt Schläger höchstens bis zu seiner Nase.«
Die Wut in ihren Augen bricht. Sie gibt mir einen Knuff gegen den Arm.
»Spiel du nur die Unverletzliche. Ich kenne dich besser. Und glaub mir. Mobbing ist bei uns Raben eigentlich verpönt, es sei denn, es wird von oben angeordnet, weil jemand gegen die Regeln verstößt. Ansonsten halten wir Raben ...«
»Zusammen. Ich weiß. Aber ich habe gegen die Regeln verstoßen, Faye.«
»Farran hat dir in seiner Ansprache eine Amnestie erteilt. Ich war ja nicht dabei, aber Kelly ...«
»Na, Emma, heute schon einen Mitschüler erstochen?«, raunt eine tiefe Stimme in unserem Rücken.

Auszug aus: Rena Fischer „Chosen – Das Erwachen“ planet! Thienemann-Esslinger Verlag

Lasst uns an diesem Tag ein wenig darüber nachdenken, ob wir selbst "wahre Freunde" sind, bevor wir selbiges von anderen einfordern 😉.

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Visionäre Ideen und Liebe zur Kultur - Die Geschichte der Buchhandlung Ludwig

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Die Premierenlesung zu meiner Chosen - Reihe habe ich für die Aktion "Save Ludwig" in der Buchhandlung Ludwig am Kölner Hauptbahnhof gelesen.

Jetzt fragt ihr euch sicher, was eine Münchner Autorin mit einer Kölner Buchhandlung zu tun hat?

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Ich unterstütze die Buchhändler Marcel und Jenny in ihrem Engagement, ihre Buchhandlung am Kölner Hauptbahnhof zu erhalten, weil

- ich es unglaublich schade finde, dass in Zeiten, in denen örtliche Buchhandlungen immer mehr von dem Online-Buchhandel verdrängt werden und aus unserem Stadtbild verschwinden, ausgerechnet eine Buchhandlung neuen Sicherheitskonzepten weichen soll.
- ich mich persönlich im Bahnhof davon überzeugt habe, dass es eine große Anzahl an Geschäften fürs leibliche Wohl und Drogeriemärkte gibt, die ebenfalls für den Platzbedarf der Bundespolizei zur Verfügung stehen könnten und
- ich mich daher frage, warum wieder einmal die Kultur, das "geistige" Futter weichen soll, wenn es doch Alternativen gibt.
- für mich ein Bahnhof ohne Buchhandlung wie ein Spielplatz ohne lachende Kinder ist, denn gerade im Reisetrubel, der auf einem Bahnhof herrscht, ist eine Buchhandlung für mich ein Sehnsuchtsort, eine Insel der Ruhe, auf die man sich zurückziehen, in fremde Welten entschlüpfen, in den Neuerscheinungen schmökern und Leseschätze entdecken kann.
- ich keine Alternativbuchhandlung in näherer Umgebung entdeckt habe, die ein so breites, schönes Sortiment bietet und der "Bücherglaspalast" nicht nur beeindruckend aussieht, sondern in seinem Inneren auch dieses ganz besondere Wohlgefühl vermittelt, wie es nur einigen wenigen Buchhandlungen gelingt und Ludwig gehört definitiv dazu ❤️.
- die Buchhändler Marcel und Jenny unheimlich sympathische, buchbegeisterte Menschen sind, die um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes kämpfen und
- es sich hier um eine Bahnhofsbuchhandlung mit einer faszinierenden Geschichte handelt, die ich euch im Folgenden gerne erzählen möchte:

Buchhandlung Ludwig

LUDWIG am Hauptbahnhof Köln ist eine Buchhandlung, die auf eine ganz besondere Tradition zurückblicken kann.
Nachdem der Zeitungskaufmann und Werbeleiter Gerhard Ludwig (* 27. Juni 1909 in Berlin; † 19. April 1994 in Köln) zunächst am 27. Juni 1946 einen provisorischen Stand zum Presseverkauf im Kölner Hauptbahnhof gestartet hatte, eröffnete er im Dezember 1949 die erste Sortimentsbuchhandlung auf dem Gebiet der Deutschen Bundesbahn. Man kann ihn daher als Pionier des Bahnhofsbuchhandels bezeichnen.
Doch mit dem Verkauf von Büchern allein gab sich Gerhard Ludwig nicht zufrieden. Vielmehr bemühte er sich seit Dezember 1950 darum, das kulturelle Leben zu fördern.
Im so genannten „Dritten Wartesaal“ der Bahnhofsbuchhandlung organisierte er die "Mittwochgespräche" und später unter dem Motto „Der grüne Teppich - Freier Eintritt, Freie Fragen, Freie Antworten“ politisch-kulturelle Veranstaltungen, zu denen prominente Gäste aus der ganzen Republik kamen, Vorträge hielten oder aus ihren neuesten Veröffentlichungen lasen. Die Bahnhofsbuchhandlung wurde zu einem Treffpunkt der jungen Demokratie und die teils hitzigen Debatten fanden große Resonanz bei Publikum und Medien, teilweise strömten über 800 Zuschauer in die Bahnhofsbuchhandlung. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Heinrich Böll, Joseph Beuys, Erich Mende, Ludwig Erhard, Werner Finck, Peter Bamm, Bernhard Grzimek, Peter Lorre, Gottfried Benn, Theodor W. Adorno, Rudolf Augstein, Gustaf Gründgens, Caterina Valente, Heinz Rühmann, Horst Buchholz oder Ernst von Salomon. Es wurden auch politische Themen wie „Pressefreiheit“ (21. Mai 1952), die „Wiederbewaffnung“ (3. November 1954) oder „Todesstrafe ja oder nein?“ (16. März 1955) in Gerhard Ludwigs Bahnhofsbuchhandlung heiß diskutiert.
Man kann durchaus sagen, dass Gerhard Ludwig ebenfalls ein Pionier der Talkshows war, denn seine Mittwochsgespräche gelten als Deutschlands erste Gesprächssendung, die teilweise im Hörfunk übertragen wurde und aus der später der TV-Talk im Westdeutschen Fernsehen mit Dieter Thoma und Alfred Biolek entstand.
Leider wurden die Mittwochsgespräche im Zuge von Umbauarbeiten am Bahnhof im Sommer 1956 beendet. Doch ihre Tonbandmitschnitte blieben uns erhalten, wurden 1990 erneut ausschnittsweise im Hörfunkprogramm des WDR gesendet und befinden sich heute im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Jedermann kann sie sich dort gerne anhören.
Auch wenn die Zeit der Mittwochsgespräche vorbei ist, so bemüht sich die Buchhandlung Ludwig seither jährlich um ein hervorragendes Veranstaltungsprogramm. So führten beispielsweise die Lesungen von Hamed Abdel-Samad aus "Mohamed - Eine Abrechnung", Kai Meyer aus "Die Krone der Sterne" und Markus Heitz aus "Des Teufels Gebetbuch" zu großen Besucherströmen und Aktionen wie "Star Wars Reads Day", der "Gratis Comic Tag" oder das Event "20 Jahre Panini Comics" ließen die Herzen der Fans höherschlagen.

Im Alter von 79 Jahren zog sich Ludwig 1988 aus dem Geschäftsleben zurück und verkaufte seine Buchhandlung an die Stuttgarter Unternehmensgruppe Dr. Eckert, die jedoch den renommierten Namen LUDWIG für die großen Bahnhofsbuchhandlungen ihrer Kette beibehielt. Er steht bundesweit für eine gelungene Kombination aus aktuellen Pressefachgeschäften und klassischen Buchhandlungen.
Ludwig bietet seinen Kunden von Spannung- und Unterhaltungsliteratur über Sachbücher oder Special Interest-Titel sowie aktuellen Presseerzeugnissen alles, was das Herz begehrt. Selbstverständlich gehören auch E-Books und E-Reader zum Sortiment. Wie bei jeder guten Buchhandlung steht bei der Buchhandlung Ludwig für die Mitarbeiter jedoch eine hervorragende, fachkundige Beratung im Vordergrund, damit sich der Kunde nicht im dichten Wald der Neuerscheinungen verliert.
Davon konnte ich mich bei Marcel persönlich überzeugen. Er leitet den Kinder- und Jugendbuchbereich, kennt sich bestens in den aktuell lesenswerten Titeln aus und hat mir einige besondere Bücher empfohlen.
Sollte einmal keine Zeit vorhanden sein, um der Buchhandlung persönlich einen Besuch abzustatten, bietet LUDWIG zudem Onlinebestellungen an.

LUDWIG ist daher nicht nur eine Buchhandlung mit einem weitsichtigen Gründer und einer beeindruckenden Geschichte. Sie ist weitergewachsen, hat den Zug der Zeit nicht versäumt, sondern sich erfolgreich den aktuellen Bedürfnissen und Interessen ihrer Kunden angepasst. Sie verfügt über eine große Stammkundschaft und - bedingt durch die Bahnhofslage - über eine beträchtliche Laufkundschaft. Die Gespräche der Geschäftsleitung mit der Bahn und der Bundespolizei sind im Gange. Ich drücke den Mitarbeitern die Daumen, dass es den drei Parteien gelingen wird, die Buchhandlung Ludwig im Kölner Hauptbahnhof zu erhalten und andere Räumlichkeiten für die erforderlichen Erweiterungsmaßnahmen der Bundespolizei zu finden.

Quellen:
Lesungsplakat Rena Fischer ©Marcel Jansen
Außenfoto Buchhandlung Ludwig ©Svenja Feierabend
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ludwig
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-buchhandlung-ludwig-im-koelner-bahnhof-wurde-gekuendigt-14592514.html
https://saveludwig.wordpress.com/chronik/

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Snippet aus meinem neuen Jugendbuchprojekt

Elbendunkel Stadt Kopie

Mein neues Projekt zeichnet eine Zukunft, die mit technischem Fortschritt und menschlichem Rückschritt einhergeht.
Die Hauptfigur Luz führt seit frühester Kindheit ein privilegiertes Leben. Als einzige, über alles geliebte Tochter von Jago Hernández verdrängt sie die Rolle, die ihr Vater in einem politischen Umfeld aus sich zuspitzender Gewalt, Rassismus und Rücksichtslosigkeit spielt.

Bis eine einzige Nacht alles ändert.

"Das Einzige, was mich davon abhält, Jago Hernández’ geliebte kleine Prinzessin auf der Stelle zu töten und wie ein Verdurstender den Schmerz in seinen Augen zu trinken, ist dein Wert als Tauschobjekt. Leben gegen Leben. Verstehst du das?"

Liebe schlägt in Verachtung und Hass um, Freundschaften zerbrechen und Luz lernt plötzlich eine andere Seite ihres Vaters kennen.

"Die Tür fiel laut hinter einem Mann ins Schloss, der mit schnellen Schritten auf sie zukam. Noch nie hatte sie sein vertrautes Gesicht mehr geliebt und sie wollte sich so gerne in seine Arme fallen lassen und spüren, wie er ihr über den Kopf strich und sagte „Alles wird gut, Luz“. Aber ihr Vater ging mit aschfahlem Gesicht einfach weiter, an Luz vorbei, als wäre sie gar nicht im Raum, als würde er seine Tochter gar nicht erkennen."

An wen soll sie sich wenden, wenn das Geheimnis ihrer Vergangenheit sowohl ihren Vater als auch dessen Gegner zu ihrem Feind macht?

"Zeit war ein eigenartiges Gewand. Manchmal rutschte sie einem durch die Finger wie Seide. Oder wärmte einen wie Wolle. Gerade schnürte sie sich um ihren Körper wie eine Zwangsjacke."

Nur wenige Stunden waren vergangen.
Stunden, in denen Luz von der geliebten Prinzessin zur Gejagten wurde.

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Tag des Kusses

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Am 6. Juli war der Tag des Kusses. ❤


Passend hierzu habe ich für euch eine Szene aus Chosen - Die Bestimmte ausgewählt:

Regen.

Splitter, hart wie Eis. 

Wasser, das auf meiner Haut zerplatzt.

Ich fühle alles um mich herum intensiver als sonst. Die Luft duftet nach Erde und feuchtem Gras und nach ihm. Ich atme tief ein und diesmal zögere ich nicht, sondern führe meine kalten, bebenden Finger in sein nasses Haar, ziehe ihn näher an mich heran und lege meine Lippen auf seinen Mund.
Ganz zart.
Ich fühle, wie er überrascht zusammenzuckt, aber ich höre nicht auf, umkreise erst seine Oberlippe, taste mich dann zu seiner Unterlippe, versuche, jeden Millimeter seiner Haut zu erkunden, wie ein Blinder, der endlich sehen möchte, und tippe dann mit meiner Zungenspitze sanft auf die Mitte. Er erwacht aus seiner Starre und flüstert meinen Namen gegen meinen Mund.
Und dann küsst er mich zurück, fest, wild und besitzergreifend, aber ich habe sowieso das Gefühl, nie wieder meine Lippen von seinen lösen zu wollen.

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