New York - Reise zum Schauplatz von Chosen 2 und einem der berühmtesten Juwelendiebstähle :)

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Der zweite Teil von Chosen - Das Erwachen spielt in der aufregenden Stadt New York.
Meine Recherchereise vergangenes Jahr führte mich bereits zum zweiten Mal in ihr pulsierendes Leben und ich könnte sofort wieder meine Koffer packen, wenn ich daran denke, was ich mir alles gerne noch angesehen hätte:)

Solltet ihr New York einmal besuchen, müsst ihr unbedingt in das Museum of Natural History gehen. Einige von euch werden es vielleicht aus dem Film „Nachts im Museum“ kennen. Hier könnt ihr dem Original T-Rex Skelett gegenüberstehen, ich sage euch: Gänsehautfaktor pur!
Außerdem gibt es einen Blauwal in Lebensgröße (28,6 Meter!) zu bewundern.
Am meisten hat mich allerdings die Mineralien- und Edelsteinsammlung beeindruckt.
Ich höre euch schon kichern: soso, Rena und die Edelsteine.
Aber ich muss euch enttäuschen :D
Am faszinierendsten fand ich nicht den berühmten „Stern von Indien“, sondern die versteinerten Querschnitte von Baumstämmen. Sieht das Bild nicht gigantisch aus? Wenn man mit den Fingern darüber strich, fühlte es sich wie kühler, glatter Marmor an. Wunderschön.

Wesentlich aufregender als sein Aussehen, fand ich die Geschichte des „Sterns von Indien“:
Mit seinen 536 Karat ist er der größte (in etwa golfballgroße), jemals geschliffene Saphir. Den Namen „Stern“ verleiht ihm sein sechsstrahliger Sterneffekt. Er wurde vor ca. 300 Jahren auf Sri Lanka gefunden und von dem Bankier J.P. Morgan dem Museum of Natural History übereignet.

DSC09218 Und jetzt wird es dramatisch:

Am 29. Oktober 1964 wurde der „Stern von Indien“, nebst weiteren Edelsteinen, in einem der spektakulärsten Juwelendiebstähle des Jahrhunderts von dem Surfer Jack Roland Murphy („Murph the Surf“) und seinen zwei Freunden aus dem Museum gestohlen.

Jack war nicht nur ein berühmter Surfwettkämpfer, sondern auch Musiker, Künstler und AUTOR gewesen.
Ihr seht, das Schreiben prädestiniert einen unter Umständen zu recht ungewöhnlichen Karrieren :D


Ihr Plan verlief drehbuchreif nach dem Film „Topkapi“. Sie hatten tagsüber in den Toilettenräumen des Museums ein Fenster geöffnet, durch das sie nachts einstiegen. In die J. P. Morgan - Halle seilten sie sich ab und nun kam ihnen der Zufall zur Hilfe: Der Alarm, der in der Vitrine des Star of India angebracht war, ging nicht los, weil die Batterie des Alarms schon seit Unzeiten nicht mehr getauscht worden war. Den Dieben gelang die Flucht auf demselben Weg, wie sie ins Museum gelangt waren. Allerdings kam die Polizei ihnen bereits zwei Tage später auf die Schliche.

Den Großteil der kostbaren Juwelen im Wert von damals 400.000 Dollar hatten sie zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits versteckt und weigerten sich, der Polizei das Versteck preiszugeben.
Für das Museum eine Katastrophe, denn der berühmte „Stern von Indien“ war angeblich zum Zeitpunkt des Diebstahls nicht versichert gewesen.

Etwa zwei Monate später tauchte er mit dem anderen Diebesgut dann glücklicherweise wieder auf:
In einem einfachen Schließfach in einer Busstation in Miami.

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Schreibnachtgedanken: vom Zaubern und Schreiben

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Immer wieder werde ich gefragt, wie ich zu dem Feedback von Lesern stehe und warum ich schreibe. Letzte Nacht habe ich mir ein wenig Gedanken darüber gemacht.

Leserstimmen sind für mich wichtig. Natürlich sind sie das. Ich möchte Geschichten erzählen, mir aber dabei nicht nur meine Gedanken „von der Leber schreiben“, sondern meine Leser wirklich persönlich erreichen.
Schreiben fühlt sich in mancher Hinsicht wie Zaubern an. Ein Zauberkünstler oder „Magier“ versucht, auf seiner Bühne eine Illusion entstehen zu lassen, seine Zuschauer in den Bann zu schlagen und mit dem Gefühl, eine angenehme oder aufregende Zeit gehabt zu haben, zu entlassen. Er gibt sich viel Mühe, neue Tricks zu ersinnen, seine Illusionen zu perfektionieren und diesen gewissen Glanz in die Augen seiner Zuschauer zu zaubern, der ihm bestätigt, alles richtig gemacht zu haben.
Genau so möchte ich meine Leser in die Welt meiner Fantasie entführen, sie atemlos machen und dazu bringen, dass die Realität um sie herum versinkt. Viele Bücher haben auch mich dazu gebracht, sie nicht mehr aus der Hand legen zu können, haben diesen wehmütigen Schmerz in mir ausgelöst, mich von den Figuren lösen zu müssen, weil die Geschichte zu Ende war, mich dazu inspiriert, meine eigenen Fortsetzungen in der Welt des Autors in meinem Kopf weiterspinnen zu lassen.
Und irgendwann reifte in mir der Wunsch, mit meinen eigenen Erzählungen Leser auf die Reise in meine eigenen Fantasiewelten zu schicken.

Negative Leserstimmen sind daher für mich so, als würde ein Magier auf der Bühne bemerken, dass das Publikum unruhig wird, seinen Trick zu schnell erkennt, die Illusion durchschaut oder für langweilig hält, weil bereits dutzende Künstler vor ihm denselben Trick angewandt haben oder weil er schlampig war, gepatzt hatte. Er muss sich damit auseinandersetzen und seine Show verfeinern. Natürlich muss er dabei von reinen Störenfrieden unterscheiden, die in jede Show hineinbrüllen würden, aus welchen persönlichen Gründen auch immer. Zum Glück sind diese sehr selten und es macht überhaupt keinen Sinn, jede negative Kritik aus Bequemlichkeit als „Störenfried“ abzustempeln.

Positive Leserstimmen sind dagegen, als würde einem eine Sternschnuppe in den Schoß fallen und einem den Weg zu neuen Projekten beleuchten, einen motivieren, aber sie sollten auch Mahnung sein, sich nicht auf Lorbeeren auszuruhen, sondern immer wieder neue Wege zu beschreiten, neue Tricks zu erfinden von Neuem zu faszinieren.

In diesem Sinne freue ich mich über jede eurer Stimmen, jedes ernst gemeinte Feedback und hoffe, dass ich euch mit meinen Geschichten noch viele aufregende Stunden abseits eures Alltags zaubern kann.

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Was Frauen wirklich wollen ;)

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Auf meiner Englandreise habe ich das Canterbury Tales Museum besucht, eine farbenfrohe Attraktion, die einen mit kostümierten Erzählern und düsteren Requisiten in die Zeit des Spätmittelalters entführt, als der englische Dichter Geoffrey Chaucer (geb. 1340, gest. 1400) die „Canterbury Tales“ schrieb.
Die Erzählungen sind – wie in Chaucers Vorbild Decamerone von Boccaccio – in eine Rahmenhandlung eingebettet.

Chaucer beschreibt eine Gruppe von Pilgern, die von London nach Canterbury, zum Grab des Heiligen Thomas Becket, reist. Unterwegs gelangen sie an den Gasthof eines gewitzten Wirts, der ihnen vorschlägt, auf dem Hin- und Rückweg ihrer Reise je zwei Geschichten zu erzählen. Dem besten Erzähler erwartet als Preis eine Gratismahlzeit, die allerdings nicht der Wirt selbst, sondern alle Pilger zusammen spendieren müssen. Der Wirt sorgt somit dafür, dass sein Gasthaus die „Tabard Tavern“ durch die erzählerische Unterhaltung beliebt und gut besucht ist, ohne selbst dafür etwa ausgeben zu müssen.

DSC05940Was macht die Canterbury Tales heute noch so faszinierend?
Die einzelnen Erzähler der Geschichten liefern ein lebhaftes Portrait der Menschen verschiedenster spätmittelalterlicher Stände. Vom Adligen, Ritter oder Mönch bis hin zum Ablassprediger und der Frau aus Bath skizziert er auf humorvolle Weise ihre Eigenheiten im positven wie auch negativen Sinne.

Die Frau aus Bath

Besonders erstaunt war ich über die Erzählung der Frau aus Bath. In Charakter und äußerer Erscheinung entspricht sie keineswegs dem, was das mittelalterliche Frauenbild uns im Allgemeinen vorgaukelt. Sie ist eine resolute Frau, die genau weiß, was sie will. Sie spricht sich gegen die Kirche und für mehrere Ehen (nach dem Tod des früheren Ehepartners) aus. 
Unverblümt erklärt sie, ihr fünfter Ehemann habe mehr Geschichten über böse Frauen gewusst als in der Bibel über gute stehen würden und sagt, dass Kleriker nur über heilige Frauen gut sprechen würden.

Da nur männliche Literaten über Frauen schrieben, ließen sie an ihnen auch kein gutes Haar.
So selbstbewusst der lange Dialog vorneweg, so überraschend gestaltet sich auch die Geschichte, die Chaucer die Frau von Bath erzählen lässt:

Einem jungen Ritter droht die Todesstrafe, weil er ein Mädchen entehrt hat. Die Königin hat jedoch Mitleid mit ihm und bittet den König um Aufschub des Strafvollzuges um ein Jahr.
Findet der Ritter in dieser Zeit eine Antwort auf die Frage

„Was ist es, das zumeist ein Weib begehrt?“

wird ihm verziehen. Sonst muss er unweigerlich sterben.

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Der verzweifelte Ritter zieht von Ort zu Ort und erhält die unterschiedlichsten Antworten: Reichtum, Ehre, Freiheit, Schönheit, Schmeicheleien und viele andere Dinge werden genannt, aber nichts kann ihn überzeugen.
Schließlich begegnet ihm eine alte, hässliche Hexe. Sie verspricht, die Lösung des Rätsels zu nennen, wenn er ihr schwöre, sie zu heiraten. Um sein Leben zu behalten, willigt er zähneknirschend ein und erhält folgende Antwort:

„Zu herrschen ist des Weibes Hauptbegehren!
Die Gatten und Geliebten zu regieren
Und über sie das Regiment zu führen …“


Keine Frau bei Hof leugnet seine Aussage, als er sie vorträgt, und so wird er freigesprochen.

Als es ihn jedoch in der Hochzeitsnacht vor der alten Hexe graut, stellt sie ihn vor eine neue Wahl:
Entweder sie bleibt in ihrer bisherigen Gestalt und ist ihm ihr Leben lang treu und hält zu ihm oder sie erscheint ihm als junge, hübsche Frau, die ihn allerdings künftig betrügen wird.
Unschlüssig, was hier die bessere Wahl wäre, erklärt der Ritter:


»Verehrte Dame, vielgeliebte Braut!
Ich will mich Deiner weisen Leitung fügen!
Entscheide selber, was zumeist Vergnügen
Und was am ehrenvollsten für uns sei?
Dies oder das, mir gilt es einerlei,
Was Dir gefällt, ist auch nach meinem Sinn!«
Worauf sie sprach:
»Dann küsse mich« – rief sie – »wir sind vereint!
Ich will Dir Beides sein! und das bemeint:
Sowohl ein schönes, wie ein gutes Weib!“


Interessant ist hierbei der romantische, märchenhafte Charakter der Erzählung, die nicht damit endet, dass einer der beiden - hier also die Frau - die Oberhand über ihren Ehepartner behält. Sie wünscht sich letztlich ein gleichberechtigtes glückliches Zusammenleben und gibt ihrem Mann am Ende die „Macht“ in einer harmonisch geführten Ehe wieder zurück.

Die Frau von Bath wirkt in der gesamten Erzählung überhaupt nicht so, wie man sich eine Frau des Mittelalters vorstellt. Sie spricht offen über ihre Wünsche und Ziele, über ihre Sexualität und ihre fünf Ehemänner. Ihre Ansichten sind vielfach modern, auf jeden Fall ihrer Zeit weit voraus. Chaucer beschreibt sie äußerst detailliert und ihr Prolog ist länger als derjenige anderer Pilger.

Berühmt wurden die Canterbury Tales auch durch die Tatsache, dass sie nicht – wie damals üblich – auf Latein, Französisch oder Anglonormannisch geschrieben wurden, sondern auf Mittelenglisch, der damaligen Volkssprache, und somit einem breiteren Kreis von Lesern zugänglich gemacht werden konnten. Neben der Erzählung der Frau aus Bath gibt es noch weitere amüsante Geschichten und schließlich gruselige Details zur Ermordung von Thomas Becket.

Solltet ihr einmal nach Canterbury kommen, kann ich euch daher den Besuch des Museums nur empfehlen :)

 

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Schreibnachtgedanken: erlebte Rede

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Jedem von uns ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Rede geläufig. Schon in der Grundschule lernen wir, wie man
„Musst du jetzt schon gehen?“
in
Sie fragte sich, ob er jetzt schon gehen müsse.
umwandelt.
Soweit so gut. Wirklich faszinierend finde ich allerdings das Stilmittel der „erlebten Rede“, bei der man im Extremfall durch das Einfügen eines einzigen Adverbiales oder Adjektivs als Erzähler in seine Figur schlüpft.
In oben genannten Beispiel würde der Satz lauten:
Musste er jetzt schon gehen?

Als Leser spürt man instinktiv, dass der Autor nicht mehr allwissend, sondern aus der Figur heraus spricht, Erzählerstimme und Figurenstimme verschmelzen gewissermaßen miteinander und die erlebte Rede wird nahtlos in die Erzählung verwoben. Das „jetzt schon“ im Beispiel drückt das Bedauern der Figur über den nahenden Abschied aus, ihre Gedanken, ohne sie konkret als solche zu formulieren.

Was unterscheidet dann die erlebte Rede vom inneren Monolog einer Figur?
In erster Linie die Verwendung der dritten Person Singular. In dem Beispiel würde ein innerer Monolog lauten:
Ich war traurig, weil er schon gehen musste.

Oft drückt die erlebte Rede eine ironische Sichtweise aus, wie man sie beispielsweise häufig bei Jane Austen findet.
So schreibt sie in „Stolz und Vorurteil“ über Sir William Lucas, der zum Ritter geschlagen worden war und sich seitdem nicht mehr für ein Leben in einer Kleinstadt begeistern konnte:
„Die Ehrung war ihm ein wenig zu Kopfe gestiegen; er fasste eine plötzliche Abneigung gegen das Geschäft und gegen sein Haus in dem kleinen Marktflecken, gab beides auf und bezog mit seiner Familie etwas außerhalb Merytons ein Landhaus, das von da an Lucas Lodge hieß. Hier konnte er zu seinem ständigen Vergnügen über seine eigene Bedeutsamkeit Betrachtungen anstellen …“
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie der eitle Sir William Lucas vor dem Landhaus steht und stolz sagt: „Fortan soll dieses Haus Lucas Lodge heißen.“

Ein Beispiel für meine eingangs erwähnte Behauptung, es genüge oft nur ein Adjektiv oder Adverbiale, um die erlebte Rede auszudrücken, wäre:

Während er ihrem Klavierspiel lauschte, liefen ihm lächerliche Tränen über die Wangen.

Hätte man das Wort „lächerlich“ weggelassen, wäre dieser Satz eine reine Feststellung dessen, was ein externer Beobachter in diesem Moment sieht.
So aber schlüpft man in die Sichtweise des Mannes. Er schämt sich, dass das Klavierspiel ihn so zu Tränen rührt, deshalb sind sie „lächerlich“.

Im Extremfall können die Grenzen zwischen Autorenstimme und Figurenstimme bei der erlebten Rede vollends verschwinden, wie bei Tschechow:
„Das Städtchen war klein, schlimmer als ein Dorf, und es lebten darin fast nur alte Leute, von denen so selten welche starben, dass es einen beinahe ärgerte.“
Die Beschreibung des Dorfes in „Rothschilds Geige“ noch bevor er die Hauptperson, einen Sargtischler einführt, nimmt dessen Einstellung in der erlebten Rede zum Tod vorneweg: Der Tod ist sein Geschäft und da so wenige in dem Dorf sterben, geht es ihm finanziell schlecht.

Die erlebte Rede bietet eine sehr eindringliche, oft ironische oder gar zynische Herangehensweise an eine Figur, um deren Einstellung näher zu charakterisieren. Man wird wesentlich intensiver in das Geschehen hineingezogen, als wenn man - um bei Tschechow zu bleiben - einfach plump die Erzählung beginnen würde mit den Worten: In dem kleinen Dorf X lebte ein Sargtischler, dem es missfiel, dass so wenige Menschen starben. 

 

 

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